2026_10_Sicherer Herbstschnitt
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Bei Baum- und Gehölzarbeiten haben Improvisationen keinen Platz

• 4 Min. Lesezeit

Der Herbst ist eine typische Zeit für zahlreiche Pflegearbeiten an Bäumen und Gehölzen. Sobald Motorsägen, Schneidgeräte oder Arbeiten in größerer Höhe ins Spiel kommen, kann aus einer gewöhnlichen Pflegearbeit jedoch eine Tätigkeit mit erheblichem Unfallpotenzial werden.

Die DGUV bezeichnet insbesondere den Umgang mit der Motorsäge bei Baumarbeiten als besonders gefährlich. Bei Tätigkeiten an Straßen, Hängen oder hochgelegenen Arbeitsplätzen sind zusätzliche Maßnahmen für Sicherheit und Gesundheit erforderlich.

Auch die SVLFG zählt Baumarbeiten zu den besonders gefährlichen Arbeiten der Grünen Branche und verweist auf schwere Arbeitsunfälle in diesem Tätigkeitsbereich.

Gute Vorbereitung entscheidet über sichere Arbeit

Sicheres Arbeiten beginnt mit der Planung. Nach Angaben der SVLFG muss der Unternehmer die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für einen sicheren Arbeitsablauf schaffen und diese bereits bei der Planung berücksichtigen. Dazu gehören unter anderem die Auswahl eines geeigneten Arbeitsverfahrens, Betriebsanweisungen, die Auswahl und Qualifizierung geeigneter Beschäftigter sowie die Bereitstellung und Instandhaltung erforderlicher persönlicher Schutzausrüstung.[Q5]svlfg

Der rechtliche Grundgedanke dahinter gilt weit über Baumarbeiten hinaus: Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber, Gefährdungen am Arbeitsplatz zu beurteilen und auf dieser Grundlage notwendige Schutzmaßnahmen festzulegen. Arbeitsschutz geht aber auch über die gesetzliche Pflicht hinaus und ist die Grundlage für sichere, gesunde und effiziente Arbeitsbedingungen.

Fachkunde statt Selbsteinschätzung

Eine Motorsäge ist kein Werkzeug, dessen sichere Beherrschung allein durch gelegentliche Anwendung vorausgesetzt werden sollte. Die SVLFG verlangt für Baumarbeiten die notwendige Fachkunde; für gefährliche Baumarbeiten enthält die VSG 4.2 darüber hinaus konkrete Anforderungen an Fachkunde und Eignung.

Die Unfallverhütungsvorschrift VSG 4.2 „Gartenbau, Obstbau und Parkanlagen“ enthält unter anderem Anforderungen zur Durchführung von Baumarbeiten und eigene Fortbildungsinhalte für die Arbeit mit der Motorsäge im Gartenbau.

Entscheidend für Betriebe ist deshalb: Wer gefährliche Baumarbeiten übernimmt, muss dafür geeignet und entsprechend fachkundig sein.

Wenn die Leiter ins Spiel kommt

Beim herbstlichen Rückschnitt liegt der Gedanke nahe, schnell eine Leiter an Baum oder Hecke zu stellen. Gerade hier beginnt jedoch ein weiterer Gefahrenbereich.

Nach Angaben der DGUV muss zunächst geprüft werden, ob für die vorgesehene Tätigkeit ein sichereres Arbeitsmittel wie beispielsweise eine Arbeitsbühne zur Verfügung steht.

Typische Ursachen für Leiterunfälle sind laut DGUV unter anderem die falsche Auswahl der Leiter, eine unzureichende Leiterhöhe, Fehltreten, Abrutschen und zu weites Hinauslehnen.

Besonders wichtig im Herbst ist der Untergrund. Beschäftigte benötigen beim Arbeiten auf Leitern rutschhemmende Schuhe und einen sicheren Stand; auch der Untergrund muss einen sicheren Stand der Leiter ermöglichen.

Die Leiter ist deshalb kein Ersatz für eine geeignete Arbeitsplattform, nur weil sie schneller verfügbar ist.

Vor jedem Einsatz kontrollieren

Eine augenscheinlich intakte Leiter kann beschädigt sein. Die DGUV empfiehlt deshalb eine Sichtprüfung auf Beschädigungen vor jeder Verwendung sowie regelmäßige Kontrollen durch eine befähigte Person.

Auch bei Maschinen und Geräten gilt, dass ein sicherer Zustand gewährleistet sein muss. Die Betriebssicherheitsverordnung stellt Anforderungen an sichere Arbeitsmittel, geeignete und funktionsfähige Schutzmaßnahmen, Instandhaltung, Prüfungen und die Unterweisung der Beschäftigten.

Witterung und Sicht beachten

Im Herbst werden die Tage kürzer. Dunkelheit oder schlechte Sicht dürfen bei gefährlichen Baumarbeiten nicht einfach in Kauf genommen werden. Nach Angaben der SVLFG dürfen Baumarbeiten nur bei ausreichenden Sichtverhältnissen durchgeführt werden; bei fehlendem Tageslicht ist eine ausreichende künstliche Beleuchtung erforderlich.

Zusammen mit einem möglicherweise feuchten oder rutschigen Untergrund macht dies eine bewusste Beurteilung der konkreten Bedingungen vor Arbeitsbeginn besonders wichtig.

Fazit

Beim Herbstschnitt sollte nicht die Frage „Wie komme ich möglichst schnell an den Ast?“ im Mittelpunkt stehen, sondern:„Welches Arbeitsverfahren ermöglicht mir diese Tätigkeit sicher?“

Gefährliche Baumarbeiten benötigen geeignete Personen, Fachkunde, geeignete Arbeitsmittel, funktionierende Schutzeinrichtungen und eine sorgfältige Vorbereitung.

Praxis-Check vor Baum- und Gehölzarbeiten:

  • Gefährdungen und geeignetes Arbeitsverfahren vor Beginn bestimmen.
  • Prüfen, ob ausreichende Fachkunde vorhanden ist.
  • Erforderliche PSA bereitstellen und kontrollieren.
  • Leitern nur einsetzen, wenn sie für die Tätigkeit geeignet sind und kein sichereres Arbeitsmittel einzusetzen ist.
  • ausreichende Sichtverhältnisse sicherstellen.

Quellen:

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Fachbereich Verkehr und Landschaft
Grün- und Landschaftspflege, Informationen zu Gefährdungen bei Grünpflege und Baumarbeiten

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
Der sichere Umgang mit Leitern, mit Hinweisen zu Leiterwahl, standsicherer Aufstellung, Kontrolle und typischen Unfallursachen.

Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG)
Baumarbeiten – Arbeitssicherheit und Gesundheit

Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG)
VSG 4.2 – Gartenbau, Obstbau und Parkanlagen, Unfallverhütungsvorschrift, Ausgabe 30.09.2021

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Was ist Arbeitsschutz?, Erläuterungen insbesondere zum Arbeitsschutzgesetz, zur Gefährdungsbeurteilung und Unterweisung.

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
Betriebs- und Anlagensicherheit, Informationen zur Betriebssicherheitsverordnung und zur sicheren Verwendung von Arbeitsmitteln.

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