Tag der Ladungssicherung Donnerstag, 12. November 2026 Noch 5 Tage Jetzt Ticket sichern
Bild zu 2026_11_Licht und Klima als ergonomischer Faktor

Newsletter

Beleuchtung und Temperatur: Unterschätzte Faktoren für die Ergonomie

• 5 Min. Lesezeit

Bei der ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen stehen häufig Bürostühle, Arbeitstische oder Maschinen im Mittelpunkt. Wesentliche Umgebungsfaktoren wie Beleuchtung und Raumklima werden dagegen oft erst beachtet, wenn Beschwerden auftreten oder die Leistungsfähigkeit spürbar nachlässt.

Dabei beeinflussen Lichtverhältnisse und Temperaturen nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch Konzentration, Fehlerhäufigkeit, Belastung der Augen, Ermüdung sowie die allgemeine Arbeitssicherheit. Eine ergonomische Arbeitsplatzgestaltung umfasst daher immer auch die optimale Abstimmung von Beleuchtung und Raumklima auf die jeweilige Tätigkeit.

 

Ergonomie betrifft den gesamten Arbeitsplatz

Ergonomie verfolgt das Ziel, Arbeitsbedingungen an die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Menschen anzupassen. Neben Arbeitsmitteln und Arbeitsabläufen gehören dazu auch die Umgebungsbedingungen am Arbeitsplatz.

Unzureichende Beleuchtung oder ungeeignete Temperaturen können zu einer erhöhten körperlichen und geistigen Belastung führen. Beschäftigte reagieren darauf häufig mit Ausweichhaltungen, erhöhter Anstrengung oder nachlassender Konzentration. Die Folgen reichen von Ermüdungserscheinungen und Beschwerden im Muskel-Skelett-System bis hin zu einer erhöhten Fehler- und Unfallgefahr.

Deshalb enthalten sowohl die Arbeitsstättenverordnung als auch die zugehörigen Technischen Regeln für Arbeitsstätten konkrete Anforderungen an Beleuchtung und Raumtemperatur.

 

Gute Beleuchtung ist mehr als ausreichend Helligkeit

In vielen Betrieben wird Beleuchtung noch immer vor allem über die Helligkeit bewertet. Für ergonomisches Arbeiten ist jedoch entscheidend, wie das Licht am Arbeitsplatz tatsächlich wahrgenommen wird.

Eine gute Beleuchtung unterstützt Beschäftigte dabei,

  • Informationen sicher zu erkennen,
  • Details präzise wahrzunehmen,
  • ermüdungsfrei zu arbeiten,
  • Fehler zu vermeiden und
  • Gefährdungen frühzeitig zu erkennen.

Besonders bei Tätigkeiten mit Bildschirmen, Prüfaufgaben, Montagearbeiten oder Dokumentationsarbeiten hat die Qualität der Beleuchtung einen erheblichen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen.

KI-generiert

 

UGR-Grenzwerte nach Anwendungsbereich

UGR steht für Unified Glare Rating (einheitliche Blendungsbewertung). Er ist ein international genormtes Maß dafür, wie stark Menschen eine Beleuchtung als störend oder blendend empfinden.

≤ 10 - Praktisch keine Blendung | Halbleiterfertigung, Mikroskopie, Flugsicherung

≤ 16 - Sehr angenehm | Technisches Zeichnen / anspruchsvolle Sehaufgaben

≤ 19 - Gute Bürobeleuchtung | Büros, Bildschirmarbeit, Lesen, Schreiben, Schulen

≤ 22 - Noch akzeptabel | Industrie und Handwerk (präzise Arbeiten)

≤ 25 - Deutlich störend | Grobe Arbeiten, Werkstätten, Treppenhäuser

≤ 28 - Starke Blendung | Flure, Lager, öffentliche Passagen

 

Blendungen und Reflexionen vermeiden

Ein häufiges Problem in Büros, Werkstätten und Produktionsbereichen sind Blendungen.

Diese entstehen beispielsweise durch:

  • ungünstig positionierte Leuchten,
  • direkte Sonneneinstrahlung,
  • spiegelnde Oberflächen,
  • reflektierende Bildschirme oder
  • stark unterschiedliche Helligkeitsbereiche.

Beschäftigte reagieren darauf oft unbewusst mit Fehlhaltungen. Monitore werden verdreht, Arbeitsunterlagen anders positioniert oder der Oberkörper dauerhaft geneigt.

Solche Ausweichbewegungen können langfristig zu Verspannungen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich führen.

Bereits bei der Planung von Arbeitsplätzen sollte daher auf blendfreie Beleuchtung und eine ausgewogene Lichtverteilung geachtet werden.

 

Tageslicht sinnvoll nutzen

Tageslicht besitzt einen besonderen Stellenwert für die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung. Es unterstützt nicht nur die Sehaufgabe, sondern beeinflusst auch das Wohlbefinden und die Orientierung im Arbeitsalltag.

Die Arbeitsstättenregeln fordern deshalb grundsätzlich eine ausreichende Versorgung von Arbeitsräumen mit Tageslicht, sofern dies aufgrund der Nutzung möglich ist.

In der Praxis reicht Tageslicht allein jedoch häufig nicht aus. Je nach Jahreszeit, Wetterlage oder Raumtiefe muss es durch künstliche Beleuchtung ergänzt werden.

Entscheidend ist dabei ein ausgewogenes Zusammenspiel beider Lichtquellen.

 

Unterschiedliche Tätigkeiten benötigen unterschiedliche Beleuchtung

Nicht jeder Arbeitsplatz stellt dieselben Anforderungen.

Während im Lager häufig die sichere Orientierung im Vordergrund steht, sind bei Montagearbeiten oder Qualitätskontrollen deutlich höhere Anforderungen an die Sehbedingungen erforderlich.

Typische Beispiele sind:

  • Kommissionierarbeiten im Lager,
  • elektrotechnische Prüf- und Montagearbeiten,
  • Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben,
  • Kontroll- und Prüfarbeiten,
  • Arbeiten an Bildschirmarbeitsplätzen.

Eine pauschale Beleuchtungslösung wird diesen unterschiedlichen Anforderungen meist nicht gerecht. Deshalb sollten Beleuchtungskonzepte immer an die tatsächlichen Arbeitsaufgaben angepasst werden.

 

Temperatur als ergonomischer Faktor

Neben dem Licht hat auch die Raumtemperatur großen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen.

Zu hohe oder zu niedrige Temperaturen führen häufig zu:

  • Konzentrationsverlust,
  • schneller Ermüdung,
  • Leistungsabfall,
  • erhöhtem Stressempfinden,
  • sinkender Aufmerksamkeit.

Anders als technische Mängel werden klimatische Belastungen oft schleichend wahrgenommen. Die Auswirkungen zeigen sich häufig erst im Laufe des Arbeitstages.

Besonders in Produktionshallen, Lagerbereichen, Technikräumen oder saisonal stark belasteten Bürogebäuden können dadurch erhebliche Belastungen entstehen.

 

KI-generiert

Zu hohe Temperaturen belasten Beschäftigte

Während der Sommermonate stellen hohe Raumtemperaturen viele Unternehmen vor Herausforderungen.

Steigende Temperaturen führen dazu, dass der Körper zusätzliche Energie für die Wärmeregulierung aufbringen muss. Dies kann sich unter anderem durch nachlassende Konzentration, erhöhte Müdigkeit oder eine geringere Belastbarkeit bemerkbar machen.

Besonders betroffen sind:

  • Arbeitsplätze mit hoher Sonneneinstrahlung,
  • Räume mit großen Fensterflächen,
  • Produktionsbereiche mit Abwärme,
  • Technik- und Serverräume,
  • schlecht belüftete Arbeitsbereiche.

Die Arbeitsstättenregeln sehen deshalb Maßnahmen vor, um Beschäftigte vor übermäßiger Wärmebelastung zu schützen.

 

Kälte kann ebenfalls zur Belastung werden

Nicht nur Hitze, sondern auch niedrige Temperaturen können ergonomische Probleme verursachen.

Vor allem in Lagerhallen, Verladebereichen oder unbeheizten Arbeitsstätten können Beschäftigte durch Kälteeinwirkungen belastet werden.

Mögliche Folgen sind:

  • eingeschränkte Beweglichkeit,
  • verminderte Feinmotorik,
  • verspannte Muskulatur,
  • erhöhte körperliche Beanspruchung.

Gerade bei Tätigkeiten mit Werkzeugen oder präzisen Handgriffen kann dies die Arbeitssicherheit negativ beeinflussen.

 

Luftbewegung und Luftqualität berücksichtigen

Für ein angenehmes Raumklima reicht die Temperatur allein nicht aus.

Auch folgende Faktoren spielen eine wichtige Rolle:

  • ausreichende Frischluftzufuhr,
  • Luftfeuchtigkeit,
  • Luftbewegung,
  • Vermeidung unangenehmer Zugluft.

In der Praxis entsteht häufig ein Konflikt zwischen einzelnen Beschäftigten. Während die einen zusätzliche Lüftung wünschen, empfinden andere dieselbe Luftbewegung bereits als störende Zugluft.

Hier sind organisatorische Lösungen gefragt, die sowohl den Arbeitsschutzanforderungen als auch den betrieblichen Gegebenheiten gerecht werden.

 

Typische Mängel aus der Praxis

Bei Begehungen und Gefährdungsbeurteilungen treten regelmäßig ähnliche Probleme auf:

  • Blendungen durch Fenster oder Leuchten,
  • unzureichende Arbeitsplatzbeleuchtung,
  • fehlende Anpassung der Beleuchtung an die Tätigkeit,
  • verschmutzte oder veraltete Leuchtanlagen,
  • starke Temperaturschwankungen innerhalb eines Arbeitsbereichs,
  • mangelnder Sonnenschutz,
  • unzureichende Lüftungsmöglichkeiten.

Viele dieser Mängel lassen sich bereits durch organisatorische oder technische Maßnahmen mit vergleichsweise geringem Aufwand beseitigen.

 

Beleuchtung und Raumklima im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung bewerten

Beleuchtung und Raumklima sind wesentliche Bestandteile der Gefährdungsbeurteilung.

Sie sollten regelmäßig überprüft werden, insbesondere bei:

  • Umbaumaßnahmen,
  • Veränderungen von Arbeitsabläufen,
  • Neubeschaffungen,
  • saisonalen Belastungen,
  • Beschwerden von Beschäftigten.

Die Erfahrungen der Mitarbeitenden liefern hierbei häufig wertvolle Hinweise auf bestehende Belastungen und Verbesserungspotenziale.

 

Fazit

Ergonomische Arbeitsbedingungen werden nicht allein durch geeignete Möbel oder moderne Arbeitsmittel geschaffen. Beleuchtung und Raumklima beeinflussen maßgeblich, wie sicher, konzentriert und gesund Beschäftigte ihre Aufgaben ausführen können. Blendfreies Licht, angepasste Beleuchtungsstärken, geeignete Temperaturen und eine ausreichende Belüftung tragen wesentlich dazu bei, Belastungen zu reduzieren und die Arbeitssicherheit zu fördern. Unternehmen, die diese Faktoren systematisch in ihre Arbeitsplatzgestaltung und Gefährdungsbeurteilung einbeziehen, schaffen langfristig bessere Arbeitsbedingungen und stärken ihre Präventionskultur.

 

Quellen

  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
  • Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA): ASR A3.4 „Beleuchtung“
  • Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA): ASR A3.5 „Raumtemperatur“
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Fachinformationen zur ergonomischen Gestaltung von Arbeitsstätten
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): Informationen zur gesundheitsgerechten Gestaltung von Arbeitsumgebungen
  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): Veröffentlichungen zu Beleuchtung, Arbeitsumgebung und Prävention in Arbeitsstätten

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie regelmäßig wichtige Updates rund um Arbeitsschutz, Brandschutz und mehr direkt in Ihr Postfach.

Weitere Newsletter-Artikel

Kontakt ITC

Haben Sie Fragen oder wünschen Sie individuelle Beratung?

ITC Newsletter

Erstklassige Informationen rund um Arbeitsschutz, Brandschutz und co. - bequem per E-Mail und garantiert kein Spam.