Tag der Ladungssicherung Donnerstag, 12. November 2026 Noch 5 Tage Jetzt Ticket sichern
Bild zu 2026_11_Ergonomische Büroausstattung

Newsletter

Worauf es bei der Arbeitsplatzgestaltung wirklich ankommt

• 4 Min. Lesezeit

Ergonomie wird häufig mit der richtigen Sitzhaltung oder dem Wechsel zwischen Sitzen und Stehen in Verbindung gebracht. Ebenso wichtig ist jedoch die Frage, ob die vorhandene Büroausstattung und die eingesetzte Technik überhaupt die Voraussetzungen für gesundes Arbeiten schaffen. Ungünstig ausgewählte Arbeitsmittel, fehlende Einstellmöglichkeiten oder unzureichend angepasste Bildschirmarbeitsplätze führen häufig dazu, dass ergonomische Grundsätze im Arbeitsalltag nicht dauerhaft umgesetzt werden können.

Die ergonomische Gestaltung eines Arbeitsplatzes beginnt daher bereits bei der Auswahl geeigneter Möbel und technischer Arbeitsmittel. Ziel ist es, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die sich an die individuellen Anforderungen der Beschäftigten anpassen lassen und gesundheitliche Belastungen vermeiden.

 

Anpassbarkeit statt Standardlösung

Die Arbeitsstättenverordnung und die Empfehlungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) verfolgen einen zentralen Grundsatz: Arbeitsplätze sollen an den Menschen angepasst werden – nicht umgekehrt.

In der Praxis werden Arbeitsplätze jedoch häufig nach einheitlichen Standards eingerichtet. Dabei unterscheiden sich Beschäftigte hinsichtlich Körpergröße, Arbeitsweise und individuellen Anforderungen teilweise erheblich. Besonders in modernen Büroumgebungen mit wechselnden Nutzern oder Desk-Sharing-Konzepten stoßen starre Arbeitsplatzlösungen schnell an ihre Grenzen.

Eine ergonomische Ausstattung zeichnet sich deshalb vor allem durch flexible Einstellmöglichkeiten aus. Nur wenn Arbeitsmittel ohne großen Aufwand an unterschiedliche Nutzer angepasst werden können, lassen sich Fehlhaltungen und unnötige Belastungen dauerhaft vermeiden.

 

Bürostuhl und Schreibtisch als ergonomische Grundlage

Der Bürostuhl bleibt das zentrale Arbeitsmittel im Büro. Entscheidend ist jedoch nicht die Polsterung oder das Design, sondern die Möglichkeit zur individuellen Anpassung.

Wichtige Merkmale sind:

  • stufenlose Sitzhöhenverstellung
  • verstellbare Rückenlehne
  • Unterstützung der natürlichen Wirbelsäulenform
  • anpassbare Armlehnen
  • geeignete Rollen für den vorhandenen Bodenbelag

Ebenso wichtig ist der Schreibtisch. Arbeitsflächen müssen ausreichend Platz für Monitore, Eingabegeräte, Dokumente und weitere Arbeitsmittel bieten. Gleichzeitig sollte genügend Bewegungsfreiheit vorhanden sein, um unterschiedliche Arbeitsaufgaben komfortabel ausführen zu können.

Häufig zeigt sich in Gefährdungsbeurteilungen, dass nicht einzelne Möbelstücke das Problem darstellen, sondern deren Zusammenspiel. Ein hochwertiger Bürostuhl kann beispielsweise seine ergonomischen Vorteile nicht entfalten, wenn die Tischhöhe dauerhaft ungeeignet ist oder Arbeitsmittel ungünstig angeordnet wurden.

 

KI-generiert

Bildschirmarbeitsplätze richtig ausstatten

Neben Tisch und Stuhl beeinflusst vor allem die Bildschirmanordnung die körperliche Belastung am Arbeitsplatz.

Typische Probleme sind:

  • zu niedrige Monitore
  • seitlich angeordnete Bildschirme
  • Verdrehungen des Oberkörpers
  • unterschiedliche Höhen bei mehreren Bildschirmen

Solche Situationen führen häufig zu Verspannungen im Nacken-, Schulter- oder Rückenbereich.

Flexible Monitorhalterungen oder Tragarmsysteme ermöglichen eine bedarfsgerechte Positionierung der Bildschirme und erleichtern die Anpassung an unterschiedliche Nutzer. Besonders an Arbeitsplätzen mit mehreren Monitoren können dadurch ungünstige Körperhaltungen deutlich reduziert werden.

 

Mobile Arbeit erfordert zusätzliche Maßnahmen

Mit der zunehmenden Nutzung von Notebooks haben sich auch die ergonomischen Herausforderungen verändert.

Notebooks sind für mobiles Arbeiten konzipiert, erfüllen jedoch dauerhaft nur eingeschränkt die Anforderungen eines ergonomischen Büroarbeitsplatzes. Ursache ist die feste Verbindung von Bildschirm und Tastatur. Wird der Bildschirm in eine ergonomisch günstige Position gebracht, befindet sich die Tastatur meist zu hoch. Wird die Tastatur bequem genutzt, ist die Bildschirmhöhe häufig ungeeignet.

Für regelmäßige Bildschirmarbeit empfehlen die Arbeitsschutzinstitutionen deshalb ergänzende Arbeitsmittel wie:

  • externe Tastaturen
  • externe Mäuse
  • zusätzliche Monitore
  • Dockingstationen

Erst durch diese Kombination lässt sich ein Notebook-Arbeitsplatz dauerhaft ergonomisch gestalten.

 

Moderne Technik sinnvoll nutzen

Technische Hilfsmittel können ergonomische Maßnahmen wirkungsvoll unterstützen. Dazu zählen beispielsweise:

  • elektrisch verstellbare Arbeitstische
  • Monitorarme
  • digitale Einstellhilfen
  • Erinnerungsfunktionen für Haltungswechsel oder Bewegungspausen

Allerdings zeigt die betriebliche Praxis, dass vorhandene Funktionen oft ungenutzt bleiben. Höhenverstellbare Tische werden teilweise über Monate nicht verstellt, Speicherfunktionen sind unbekannt oder Monitore werden nach Umzügen und Umbauten nicht erneut angepasst.

Technik kann ergonomisches Verhalten unterstützen, ersetzt es jedoch nicht. Entscheidend bleibt die aktive Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten.

 

Beschäftigte einbinden und unterweisen

Ein häufiger Fehler bei der Beschaffung neuer Arbeitsmittel besteht darin, sich ausschließlich auf technische Eigenschaften zu konzentrieren.

Der Nutzen ergonomischer Ausstattung hängt wesentlich davon ab, ob Beschäftigte die Funktionen kennen und richtig anwenden können.

Bewährt haben sich daher:

  • Einweisungen nach der Inbetriebnahme neuer Arbeitsmittel
  • praktische Demonstrationen von Einstellmöglichkeiten
  • regelmäßige Unterweisungen
  • Beteiligung der Beschäftigten bei Auswahl und Erprobung

Dadurch steigt nicht nur die Akzeptanz neuer Ausstattung, sondern auch die Wahrscheinlichkeit einer langfristigen ergonomischen Nutzung.

 

Typische Fehler bei der Arbeitsplatzgestaltung

Bei Begehungen und Gefährdungsbeurteilungen treten immer wieder ähnliche Mängel auf:

  • Beschaffung allein nach dem Anschaffungspreis
  • unzureichende Berücksichtigung individueller Anforderungen
  • fehlende Testphasen vor der Beschaffung
  • falsch eingestellte Monitore
  • dauerhaft genutzte Notebook-Arbeitsplätze ohne Zusatzgeräte
  • keine oder unzureichende Unterweisungen

Oft lassen sich solche Defizite mit vergleichsweise geringem Aufwand vermeiden, wenn ergonomische Aspekte bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden.

 

Fazit

Ergonomische Büroarbeit entsteht nicht durch einzelne Möbel oder technische Lösungen, sondern durch das Zusammenspiel von Ausstattung, Technik und Arbeitsorganisation. Höhenverstellbare Tische, anpassbare Bürostühle, geeignete Bildschirmarbeitsplätze und unterstützende Technik können Belastungen deutlich reduzieren. Ausschlaggebend ist jedoch, dass die Arbeitsmittel den tatsächlichen Anforderungen entsprechen und von den Beschäftigten richtig genutzt werden. Eine durchdachte Arbeitsplatzgestaltung leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung, Arbeitssicherheit und langfristigen Leistungsfähigkeit im Büro.

 

Quellen

  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): DGUV Information 215-410 „Bildschirm- und Büroarbeitsplätze – Leitfaden für die Gestaltung“
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Moderne Bildschirmarbeit – Steh-Sitzdynamik
  • Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): Informationen zur ergonomischen Gestaltung von Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS): Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
  • Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA): Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR A6 „Bildschirmarbeit“)

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie regelmäßig wichtige Updates rund um Arbeitsschutz, Brandschutz und mehr direkt in Ihr Postfach.

Weitere Newsletter-Artikel

Kontakt ITC

Haben Sie Fragen oder wünschen Sie individuelle Beratung?

ITC Newsletter

Erstklassige Informationen rund um Arbeitsschutz, Brandschutz und co. - bequem per E-Mail und garantiert kein Spam.